Veranstaltungen 2026


Mit Geduld und einem Blick für das Besondere.

Heinz Diehl zeigte in der Mehrzweckhalle feinste Aufnahmen der Moore und Sümpfe.

Einhausen. Glitzernde Eisperlen an Weidenkätzchen, schillernde Libellen über stillen Wasserflächen und majestätische Kraniche in geheimnisvollen Moorlandschaften: Die Natur bietet faszinierende Schauspiele, wenn man nur genau genug hinsieht. Einer, der dafür ein ganz besonderes Gespür hat, ist der Einhäuser Naturfotograf Heinz Diehl. Bei seinem digitalen Bildervortrag im Rahmen seiner Reihe "Faszination Natur" nahm er rund 200 Besucher in der Mehrzweckhalle Einhausen mit auf eine eindrucksvolle Reise "Draußen in Mooren und Sümpfen" Rund eine Stunde lang zeigte er die außergewöhnliche Schönheit dieser Lebensräume und bewies dabei auch seinen Sinn für Humor.

Alexander Hedderich, Vorsitzender des Vogelschutz- und -liebhabervereins Einhausen, begrüßte die Besucher und betonte die zunehmende Bedeutung von Moor- und Sumpflandschaften. Gerade angesichts von Trockenheit und Starkregen seien solche natürlichen Wasserspeicher wichtiger denn je. Die Arbeit Diehls sei deshalb weit mehr als Fotografie, sondern auch gelebter Naturschutz. Mit seinen Aufnahmen mache er auf die Schönheit und Schutzbedürftigkeit dieser besonderen Landschaften aufmerksam. Eine Bilderreise durch die ganze Region Als sich der Saal verdunkelte, schickte Diehl seiner Präsentation noch eine Versicherung voraus: "Keine einzige Aufnahme hat irgendwas mit KI zu tun." Die rund 300 Bilder waren das Ergebnis jahrelanger Naturbeobachtungen, großer Geduld und fotografisches Können. Etwa zehn Aufnahmen zu Beginn stammten sogar noch aus der analogen Diafotografie und waren eigens digitalisiert worden.

Die Bilderreise begann mit bizarren Eisgebilden, die sich durch Tau und Frost an Pflanzen bilden. Eine Blaumeise trotzte der winterlichen Kälte, bevor Krokusse den Frühling ankündigten. Mit den ersten wärmeren Tagen kehrten auch die Störche zurück, besetzten ihre Nester und begrüßten sich mit lautem Klappern. Ein erster, noch etwas unbeholfener Paarungsversuch sorgte für Heiterkeit. "Na ja, Luft nach oben" kommentierte Diehl schmunzelnd. Besonders eindrucksvoll waren die Nahaufnahmen der Insektenwelt. Die Große Königslibelle zeigte sich mit ihren faszinierenden Facettenaugen, während die Gebänderte Prachtlibelle durch ihre schillernden Farben beeindruckte. Die Männchen leuchten in intensivem Tintenblau, die Weibchen schimmern goldgrün. "Goldig grün" ergänzte Diehl lachend. Sogar das sogenannte Libellenrad, bei dem sich die Tiere während der Paarung zu einer charakteristischen Formation verbinden, hatte er festgehalten.

Rauchschwalben bei der Renovierung ihrer Nester, rufende Wasserfrösche, Blaukehlchen und eine Ringelnatter auf Nahrungssuche gehörten ebenso zu den Motiven wie der seltene Laubfrosch, der Sumpfrohrsänger und der Feuersalamander. Dazwischen präsentierte Diehl weite Moorlandschaften mit Wollgras, Torfmoos und abgestorbenen Moorbirken. Die Aufnahmen waren unter anderem am Dümmersee in Niedersachsen, am Federsee und in den heimischen Feuchtgebieten entstanden. Dass die Natur gelegentlich selbst Regie führt, zeigte eine Fliege, die während der Präsentation auf dem Projektor landete. Diehl nahm die unerwartete Besucherin gelassen: "Natur pur" bemerkte er und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Auch die heimische Vogelwelt kam nicht zu kurz. Eine junge Rohrweihe, ein Purpurreiher aus der Wagbachniederung und Blässhühner mit ihren Nestern mitten im Wasser waren zu sehen. Im Einhäuser Bruchgebiet hatte Diehl in diesem Jahr zudem einen Dunklen Wasserläufer fotografieren können. Ein Jungvogel, dessen Landung nicht ganz geglückt war, bot erneut Anlass für einen seiner humorvollen Kommentare: Auch hier sei noch "Luft nach oben" - im wahrsten Sinne des Wortes. Neben den ,Tieren begeisterten vor allem die Pflanzenaufnahmen. Besonders der fleischfressende Sonnentau faszinierte mit seinen glitzernden, klebrigen Fangtropfen, an denen kleine Insekten hängen bleiben. Winzige Wasserläufer zeigte Diehl bei der Jagd, beim gemeinsamen Festmahl und sogar bei der "Familienplanung". Die außergewöhnliche Schärfe der Makroaufnahmen ließ selbst kleinste Details sichtbar werden.

Motiv sieht Vorlage der Krone der Kerwekönigin ähnlich Für einen heiteren Moment sorgte auch das Sumpf-Herzblatt. Beim Anblick der zarten Blüte stellte Diehl fest, dass deren Form durchaus als Vorlage für die Krone der Einhäuser Kerwekönigin dienen könnte. Eine Idee, die beim Publikum für Schmunzeln sorgte. Zu den Höhepunkten gehörten schließlich die Kraniche. Diehl zeigte die Vögel bei der Gefiederpflege und berichtete von ihren Rastplätzen, die besonders im Oktober zu Schauplätzen eines faszinierenden Naturspektakels werden. Eingespielte Kranichrufe machten die Atmosphäre der Feuchtgebiete auch akustisch erlebbar.

Zum Abschluss erzählte Hedderich noch eine amüsante Begebenheit aus dem Fotografenleben. Als Diehl eines Tages ein Storchenpaar auf dem Stumpf einer abgebrochenen Pappel fotografieren wollte, geriet er unverhofft ins Visier bewaffneter Polizeibeamter. Mit seinem großen Teleobjektiv hatte er in unmittelbarer Nähe der Langwellensendeanlage bei Biblis offenbar Verdacht erregt. "Die Beamten vermuteten zunächst einen möglichen Spion" bis Diehl ihnen sein tatsächliches Motiv erklärte. Hedderich ernannte ihn daraufhin scherzhaft zum Mitglied des "GDT - Geheimdienstes der Tierfotografen" eine augenzwinkernde Anspielung auf die Gesellschaft für Naturfotografie (GDT), der Diehl seit vielen Jahren angehört, und verlieh ihm den Titel "Agent Heinz 007".

Frederik Koch


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